telefunken: S81; Stereo-Nachrüstverstärker
? telefunken: S81; Stereo-Nachrüstverstärker
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Hallo zusammen,
ich habe solch einen Verstärker als Zugabe zu einer Musiktruhe bekommen. Er spielt so weit auf beiden Kanälen (gleich laut), aber nach kurzer Zeit beginnt der Lastwiderstand K39 leicht zu qualmen. Um den Ausgangsübertrager nicht unnötig zu belasten, möchte ich möglichst zielgerichtet nach der Ursache suchen. Welche Spannungen / Bauteile sollte man als erstes kontrollieren?
Das Netzteil habe ich schon auf 240 V umgestellt. Zum Testen habe ich 4 Ohm-Lautsprecher verwendet, da ich 5 Ohm Lautsprecher nicht zur Hand habe.
Herzliche Grüße
Gerhard Wickern
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W 39 ?
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Ich nehme an, Sie meinen W39 ? K39 gibt es im Schaltbild nicht.
Hier wäre der Hauptverdächtige der Kondensator C23 50 µF. Sie sollten prüfen, ob 193 V anliegen. Wenn an C24 224 Volt anliegen und an C23 eine geringere Spannung als vorgeschrieben, kann das auf erhöhten Leckstrom hinweisen. Unter Umständen ist der Leckstrom zu hoch und überlastet W39 (und auch W37).
Eine weitere Möglichkeit ist der Kondensator C11. Hier sollten 155 V anliegen. Allerdings ist durch den Widerstand W24 hier der Strom begrenzt, der W39 belasten könnte.
Grüsse
Rüdiger Walz
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Noch eine Meinung
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Wie in der Medizin, eine Zweitmeinung
Die 3.9Kohm sind zweimal enthalten.
Wechselstrom mäßig bildet jeder eine Brückensckaltung im Ausgangstrafo mit der anteiligen Wicklung.
Gleichstrom mäßg liegen beide 3,9Kohm parall und ergeben somit 1,8Kohm mit doppelter Leistung von einem allein. Wenn einer unterbrochen ist, wird der andere überlastet
Nach dem Abschalten kann das mit dem feuchten Finger ertastet werden, welcher tot ist.
Oder auch ohne Strom mit dem Ohm-Meter.
Was passiert sonst noch: ein Kanal brummt dann, aber beide spielen.
Meint Knoll
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Erste Testergebnisse
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Hallo Herr Knoll,
Ihre Zweitmeinung war mir auf Anhieb sympatisch, da sie das asymmetrische Verhalten erklären würde. Beide Widerstände sind aber in Ordnung. Beim Neuverkabeln für die Messungen am Netzteil ist mir dann aufgefallen, das bei einem Bananenstecker für den Lautsprecheranschluss die Klemmung nicht mehr gut war. Habe den Bananenstecker wieder richtig befestigt und danach das Gerät probiert. Jetzt wird W39 (K39 war natürlich falsch) zwar immer noch heiss, qualmt aber nicht mehr. W37 wird etwa genauso warm.
Hallo Herr Walz,
Die Messungen am Netzteil zeigen, das der 20 x 50 uF Elko nicht mehr gut ist. An C24 habe ich 191 V gemessen, an C23 sogar nur 80 V. Kann das die Lastwiderstände stark belasten, oder ist die Erwärmung grundsätzlich normal und das ursprüngliche Problem wurde durch den losen Bananenstecker ausgelöst?
Vielen Dank auf jeden Fall an Sie beide!
Herzliche Grüße
Gerhard Wickern
PS: Während ich diesen Text geschrieben habe, hat sich die Spannung an C23 schon auf über 100 V erholt
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Nachschlag
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Hallo Herr Wickern.
Es geht hier sicher nicht darum,. recht zu behalten. Unlogische Ergebnisse sollten im Rmorg nicht zu lesen sein.
Ich habe eine Skizze gemacht, aus der ersichtlich ist, dass einer der ((3.9Kohm )) 5,6 KΩ nur dann rauchen kann, wenn eine Leitung unterbricht (grün XXX) oder was mit ihrer LS-Buchse möglich sein kann, was mir ohne Messwerte Kopfzerbrechen macht, wenn eine Seite im Ultraschallbereich schwingt und aus der rot markierten Teilwicklung, eine Wechselspannung in Serie mit der Ladespannung liegt. Lade-und Sieb-C schalten den 5,6KΩ m direkt an die Teilwicklung aus der die Wechselspannung kommt wenn ein Kanal schwingt.
Mehr Möglichkeiten kann ich mit nicht vorstellen.
Knoll
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Qualm
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Warum einer der Widerstände zuerst angefangen hat zu qualmen, können wir hier ohne Messwerte wohl nicht feststellen. Denkbar ist auch eine Formierung des Elko C23 nach Einschalten. Die Widerstände sind nicht 100 % gleich und einer ist nunmal der Erste der qualmt.
Beide Kanäle spielten gleich laut zu Beginn. Ist da eine Unterbrechung der Leitung einer der Widerstände denkbar ? Ich weiß nicht, welchen Einluß der Gleichstrom durch die Teilwicklung hat. Er dient wohl zur Vormagnetisierung des Ausgangsübertragers ?
Bei Hochfrequenzschwingungen in Endstufen trat nach meinen bisherigen Erfahrungen auch meistens gleichzeitig ein Zischgeräusch auf.
191 V an C23 ist in Ordnung, an C11 ist eine Abweichung von 75 V zu hoch und möglicherweise ist C11 oder W24 defekt.
Es lohnt sich sicher einmal die Gesamtstromaufnahme zu messen.
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Zur Brummkompensation
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Zusammen mit dem Innenwiderstand der E(C)L82 von 60kΩ und dem Widerstand von 3,9kΩ bildet der angezapfte Ausgangsübertrager eine Brückenschaltung zur Unterdrückung der Brummspannung, die der + Versorgungsspannung überlagert ist. Damit der Lautsprecher kein Brummen erhält, muß diese Brücke abgegelichen sein. Die Sekundärwicklung des Ausgangsübertragers liegt de facto in der Brücken-Diagonalen.
Man liest immer mal wieder die (irrige) Meinung, daß die Anzapfung des Ausgangsübertragers dazu sei, die Magnetisierung in diesem Übertrager zu kompensieren. So etwas klappt aber nur bei echten Gegentaktverstärkern, deren Ausgangsübertrager dann auch keinen Luftspalt mehr benötigen.
Ansonsten wurde das Problem der Brummkompensation schon des Öfteren im RM.org behandelt. Ein schönes Beispiel, das auch mit Zahlen bezüglich der Magnetisierung hinterlegt ist, wurde anläßlich der Instandsetzung einer Siemens H42 Schatulle ausgeführt.
Daß im aktuellen Fall zu Beginn beide Kanäle "gleich laut" gespielt haben, ist mit der in Post #5 gezeigten Schaltskizze sofort verständlich, auch bei einer Unterbrechung bei einem der 3,9kΩ Widerstände. Das überlagerte Brummen ist in einem solchen Fall in einem der Kanäle lauter. Aber anscheinend ist der gesamte Strom, insbesondere zur Formatierung des Siebkondensators, nur über einen 3,9kΩ Widerstand geflossen, was dessen Erwärmung erklären kann.
Die viel zu niedrigen Spannungswerte an den Elkos deuten allerdings darauf hin, daß diese Elkos nicht mehr formatiert sind oder möglicherweise sogar defekt. Zur Überprüfung und anschließender Formatierung sollten die Röhren herausgenommen werden und das Gerät über eine Vorschaltlampe von max. 25W (besser 15W) an das Netz geschaltet werden. Eine Spannungsmessung an den beiden Elkos zeigt dann, ob diese sich nochmals formatieren lassen, oder ob sie ersetzt werden müssen. Klappt die Formatierung, wird die Vorschaltlampe dunkel.
MfG DR
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Welche Widerstände sind gemeint
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Nur um sicherzustellen, das ich alles richtig verstehe: die beiden Lastwiderstände W37 und W39 haben 5,6 kΩ, nicht 3,9 kΩ, was aber am beschriebenen Prinzip nichts ändert.
Eine weitere mögliche Erklärung dafür, das nur ein Widerstand gequalmt hat, ist, das er eine Einbaulage hat, bei der sich im Betrieb leichter Staub ablagern konnte als bei dem anderen Widerstand (der im Betrieb senkrecht stand). Da der Formierungsstrom sicher zu Anfang höher war, war direkt nach der Wiederinbetriebnahme die Temperatur an den Widerständen besonders hoch und der Staub begann zu qualmen. Mit zunehmender Erholung des Elkos C23 sind jetzt die Temperaturen deutlich abgesunken.
Herzliche Grüße
Gerhard Wickern
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Widerstandswerte 5,6kΩ
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Die beiden Widerstände W37 und W39 sind gemäß dem 3. Schaltbild tatsächlich 5,6kΩ und nicht 3,9kΩ. War ein Versehen, das nun aber korrigiert ist.
War die Formierung der Elkos erfolgreich?
MfG DR
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Formierung erfolgreich
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Hallo Herr Rudolph,
nachdem die Spannung an C23 nach kurzer Zeit auf 140 V angestiegen war, habe ich das Gerät wieder zugemacht. Mir ging es um die prinzipielle Funktionsfähigkeit, der Verstärker kommt jetzt ins Regal und wird vorraussichtlich längere Zeit wieder nicht betrieben.
Vielen Dank an alle Beteiligten für die Unterstützung!
Herzliche Grüße
Gerhard Wickern
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